Große Bestürzung und ein Gefühl der Hilflosigkeit herrscht bei der Initiative „Wir machen mit“, die seit Ende vergangenen Jahres engagiert für die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge auf der Insel Lesbos einsetzt. Jüngste Nachrichten und Videos, die ihnen die Partnerin vor Ort, die Physiotherapeutin Fabiola Velasques, aus Lesbos sendete, sorgen für ungute Gefühle und Unruhe über die Gesundheit der Menschen im Lager.
Wie Velasques berichtet, ist am vergangenen Donnerstag das Lager Kara Tepe, in dem sich auch ihr medizinischer Therapie-Container befand, in einer Nacht- und Nebelaktion geschlossen worden. Kara Tepe sei das am besten ausgestattete Lager auf Lesbos gewesen, ein Lager bestehend aus festen und heizbaren Containern, in denen vorwiegend besonders schutzwürdige Flüchtlinge untergebracht waren. Menschen, die aufgrund ihres hohen aber auch sehr jungen Alters wegen körperlicher Behinderungen und Kriegsverletzungen oder chronischer Krankheiten auf besondere Unterstützung oder besondere Hilfsmittel wie Rollstühle angewiesen sind.
„Ich kann nicht mehr! – Bitte holt mich hier raus!“ - Abdulkarim macht klar, dass seine Kräfte und sein Lebensmut von Tag zu Tag nachlassen.
Die Zustände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos sind katastrophal.
Das war im „alten“, abgebrannten Moria so und ist im neuen Camp nicht besser – im Gegenteil.
Gerhard Trabert, Arzt aus Mainz, konnte sich bei seinen zahlreichen Aufenthalten auf Lesbos ein Bild von der katastrophalen Situation dort machen. Und um Abdulkarim macht er sich große Sorgen! –Der junge Mann aus Syrien ist durch eine Kriegsverletzung querschnittgelähmt, kann sich kaum ohne fremde Hilfe bewegen – und auch Blasen- und Darmfunktion nicht steuern: „Dass solche Menschen in Europa unter solchen Bedingungen leben müssen ist eine Schande!“
SWR – betrifft, 5.5.21, 20.15 Ein Film von Thomas Diehl Redaktion Achim Streit und Hans Michael Kassel
„Wie verzweifelt muss man sein, um seinem Kind so eine Schwimmweste anzuziehen? – Das sollte sich jeder Vater, jede Mutter mal fragen“, so Alea Horst, selbst Mutter zweier Kinder. Sie balanciert über riesige Berge von Rettungswesten – Westen von Menschen, die mit dem Schlauchboot nach Lesbos geflohen sind. 40% davon Kinder.
„Mich interessiert nicht in erster Linie, warum die Menschen sich für diesen Schritt entscheiden – mir ist es wichtig, dass sie hier menschenwürdig behandelt werden.“ – Dafür setzt sich Alea Horst ein, seit sie vor vier Jahren zum ersten Mal auf der griechischen Insel Lesbos als Nothelferin vor Ort war. Mittlerweile hat sie dort eine ebenso engagierte wie empathische Mitstreiterin gefunden: die Physiotherapeutin Fabiola Velasquez.
In der letzten Woche rüttelte ein Zeitungsartikel mit Bildern von Alea Horst, die sie von ihrem Hilfseinsatz in Bihac, Bosnien, sendete, die Leser der Rhein-Lahn-Zeitung auf. Hunderte Flüchtlinge hängen bei winterlichen Temperaturen an der Grenze von Bosnien nach Kroatien fest. Wieder ist die europäische Gemeinschaft nicht in der Lage, sich über eine weitere Verteilung der Menschen dort zu einigen; die Menschen werden einerseits nicht über die Grenze gelassen, andererseits will Bosnien sie auch nicht auf Dauer behalten.Gleichzeitig fühlt sich niemand verpflichtet, sich um die Versorgung bzw. Gesundheit der Menschen zu kümmern.
Refugees are Human – eindrucksvoller Clip mit geflüchteten Menschen auf Lesbos
Ein Link zu einem tollen Clip eines Filmemachers, dessen Projekt eine eindrucksvolle Ergänzung zu Anis Brief ist: Refugees are Human, heißt der Film, in dem geflüchtete Menschen selbst zu Wort kommen.
„Wir sind doch auch Menschen“, so schrieb auch Anis sinngemäß. Traurig, dass man an diese, so selbstverständliche Feststellung immer wieder erinnern muss.
„Wir sind stolz auf das Erreichte, doch darauf wollen und werden wir uns nicht ausruhen“, fasst Achim Lauer, Initiator der Initiative „Wir machen mit“, die seit Ende Oktober laufende Spendenaktion für die flüchtenden Menschen und ein damit verbundenes Hilfsprojekt im neuen Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos zusammen. Inzwischen sind etwas mehr als 14 000 Euro auf dem für den Zweck speziell eingerichteten Spendenkonto der Verbandsgemeinde Aar-Einrich eingegangen.
Dies ist ein „offener Brief“ von Anis, 17 Jahre alt, aus Afghanistan.
Mein Name ist Anis, ich bin aus Afghanistan. - Ein sehr schönes Land mit netten Leuten, die schon seit Jahren versuchen, ein gutes Leben und eine sichere Umgebung für ihre Kinder zu schaffen. Aber leider hat der Krieg dies verhindert. Ich wollte mein Land nicht verlassen, denn Afghanistan ist mein Land, meine Heimat, meine Hoffnung. Aber leider ist das Leben in Afghanistan wirklich schwierig, weil es einen Krieg gibt und viele schlechte Menschen, die alle töten. Sie töten Männer, schwangere Frauen, Kinder, unschuldige Menschen und sogar neugeborene Babys.
Die Organisationen „Wir machen mit“ aus Katzenelnbogen und der Willkommenskreis Diez planen gemeinsame Projekte zur Unterstützung der Menschen in Moria. Um Spendengelder zu generieren wurde ein Kalender entworfen. Unter dem Titel „Hoffnung für Moria“ werden wunderschöne Bilder von Kindern aus Moria gezeigt. Fotografin Alea Horst legt großen Wert darauf, dass Menschen trotz der schrecklichen Zustände würdevoll portraitiert werden. Außerdem gibt es im Innenteil monatlich ein Rezept von Geflüchteten. Des Weiteren wurden Behelfsmasken genäht, die nun verkauft werden. Die Einnahmen gehen direkt nach Moria in das Projekt „Wave Of Hope“
dieser e i n e aus der überzahl der gestrandeten in den lagern auf lesbos und anderswo: von engagierten helfern umsorgt und ins hoffnungsland ausgeflogen - war das die mühe wert?